Gehört die Versicherungssumme zum Nachlass?

Dezember 2016

Mit dem Ableben eines Versicherungsnehmers wirft sich die Frage, wem die Versicherungssumme angehört. Fälschlicherweise gehen viele davon aus, dass die Versicherungssumme den Erben angehört.
Aufgrundessen soll festgelegt werden, dass die Versicherungssumme erst nach dem Tode des Versicherungsnehmers ausgezahlt werden soll. Daher gehört sie nicht in dessen Vermögen, sondern ins Vermögen des Bezugsberechtigten. Das hat auf keinen Fall damit zu tun, dass die Bezugsberechtigte Person zu den Erben gehört oder dass die Person das Erbe ausgeschlagen hat.



Zur Bezugsberechtigung schreibt § 159 VVG das Folgende vor:

Bezugsberechtigung

" (1) Der Versicherungsnehmer ist im Zweifel berechtigt, ohne Zustimmung des Versicherers einen Dritten als Bezugsberechtigten zu bezeichnen sowie an die Stelle des so bezeichneten Dritten einen anderen zu setzen.
(2) Ein widerruflich als bezugsberechtigt bezeichneter Dritter erwirbt das Recht auf die Leistung des Versicherers erst mit dem Eintritt des Versicherungsfalles.
(3) Ein unwiderruflich als bezugsberechtigt bezeichneter Dritter erwirbt das Recht auf die Leistung des Versicherers bereits mit der Bezeichnung als Bezugsberechtigter.
Dabei darf es nicht außer Acht gelassen werden, dass die Versicherungssumme an eine Bankenkasse einfließt, soll die abgeschlossene Lebensversicherung der Absicherung eines Bankdarlehns diene
".

Tötung des Versicherungsnehmers

Auszahlung der Lebensversicherung nach Selbstmord

    • Erste Option : Nicht so selten gehen viele Versicherungsnehmer davon aus, dass sie deren Bezugsberechtigten (meistens Eheleute , Kinder oder wie auch immer) , einen Gefallen tun und denen die "frühzeitige" Auszahlung der Versicherungssumme zu verhelfen. Deswegen spielen sie mit dem Gedanken deren Leben eigenhändig zu nehmen. Doch übersehen sie dabei die gesetzlich geregelte Selbsttötungsklausel( auch genannt Suizidklausel, Selbstmordklausel) die Auszahlung bzw. Nichtauszahlung der Versicherungssumme bei Suizid des Versicherten geregelt ist.


(1) Bei einer Versicherung für den Todesfall ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet, wenn die versicherte Person sich vor Ablauf von drei Jahren nach Abschluss des Versicherungsvertrags vorsätzlich selbst getötet hat. Dies gilt nicht, wenn die Tat in einem die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit begangen worden ist.
(2) Die Frist nach Absatz 1 Satz 1 kann durch Einzelvereinbarung erhöht werden.
(3) Ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet, hat er den Rückkaufswert einschließlich der Überschussanteile nach § 169 zu zahlen(Vgl. § 161VGV).
  • Zweite Option :es kann im Sinne Bezugsberechtigter Personen kommen, die Versicherungsnehmer zu töten. Dabei wird den § 162 VGV gar nicht wahrgenommen. Er schreibt dazu das Folgende vor:

Tötung des Versicherungsnehmers durch Leistungsberechtigten

(1) Ist die Versicherung für den Fall des Todes eines anderen als des Versicherungsnehmers genommen, ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet, wenn der Versicherungsnehmer vorsätzlich durch eine widerrechtliche Handlung den Tod des anderen herbeiführt.
(2) Ist ein Dritter als Bezugsberechtigter bezeichnet, gilt die Bezeichnung als nicht erfolgt, wenn der Dritte vorsätzlich durch eine widerrechtliche Handlung den Tod der versicherten Person herbeiführt.

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