Reifenwechsel: Haftung der Werkstatt

Dezember 2016

Das Landgericht Heidelberg hat entschieden, dass eine Reifenservice-Werkstatt eine Mitschuld trifft, wenn sie nicht klar darauf hinweist, dass nach einem Reifenwechsel die Radschrauben nach 50 bis 100 Kilometern nachzuziehen sind.

In dem verhandelten Fall führte eine Werkstatt einen Reifenwechsel durch. Nach ungefähr 2000 Kilometern löste sich ein von der Werkstatt montiertes Rad. Der Autofahrer verlangte von der Werkstatt, den Unfallschaden zu ersetzen. Eine Überprüfung der Radschrauben nach 50 bis 100 Kilometern hatte er nicht vorgenommen. Nach Auffassung der Richter trifft die Werkstatt eine Mitschuld, weil sie nicht ausreichend auf die Notwendigkeit des Schraubennachziehens hingewiesen hat. Der Aufklärungs- und Beratungspflicht ist nur dann Genüge getan, wenn ein unübersehbarer Hinweis angebracht wird. Andernfalls kann sich der Autofahrer auf seine Unkenntnis berufen. Aus diesem Grund wurde der Werkstatt 70 Prozent der Schadenssumme zugewiesen. Der Autofahrer hat dennoch 30 Prozent des Schadens selbst zu tragen. Es kann nämlich erwartet werden, dass ein Autofahrer bei ungewöhnlichen Geräuschen und bei verändertem Fahrverhalten sein Fahrzeug kontrolliert und nicht einfach sorglos weiterfährt.

Es gilt zu beachten, dass sich ein Werkstattkunde mit technischer Sachkunde nicht auf seine Unkenntnis aufgrund eines fehlenden Warnhinweises berufen kann. In diesem Fall ist ein Hinweis auf das Schraubennachziehen entbehrlich.

(Urteil vom 27.7.2011, Az. 1 S 9/10)

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