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Schwangerschaftsabbruch (Abtreibung): bis wann straflos?

Mai 2015

Schwangerschaftsabbruch (Abtreibung): strafbar oder straflos ?

In Deutschland werden derzeit etwa 14 Prozent aller Schwangerschaften abgebrochen. Die Gründe dafür sind vielfältig und meistens steht die betroffene Frau vor einer schwierigen persönlichen Entscheidung. Auch in der Gesellschaft sind Schwangerschaftsabbrüche seit jeher umstritten. Bevor jedoch ethisches Urteil gefällt werden kann, ist es zunächst wichtig, zu wissen, bis zu welchem Punkt sich eine Frau, die ihre Schwangerschaft abbrechen will, noch im Rahmen des Rechts bewegt.

Das deutsche Gesetz unterscheidet zwischen dem Schwangerschaftsabbruch, den ein Arzt vornimmt und dem Abbruch, den die Schwangere selbst vornimmt.

Gemäß § 218 I StGB wird, wer eine Schwangerschaft abbricht, bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Dies betrifft in den meisten Fällen also den den Eingriff vornehmenden Arzt. Nimmt die Schwangere den Abbruch vor, wird diese gem. § 218 III StGB hingegen nur mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bestraft.

§ 218a I StGB stellt jedoch klar, unter welchen drei (kumulativen) Voraussetzungen der Tatbestand des § 218 StGB nicht verwirklicht ist, ein Schwangerschaftsabbruch also straflos ist:

1. Die Schwangere verlangt den Schwangerschaftsabbruch und hat dem Arzt durch eine Bescheinigung nach § 219 Abs. 2 Satz 2 StGB nachgewiesen, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen. Diese Beratung soll die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft ermutigen und ihr bewusst machen, dass auch der ungeborene Embryo ein Recht auf Leben hat. Die Beratung hat durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle zu erfolgen,

2. der Schwangerschaftsabbruch wird von einem Arzt vorgenommen und
zwölf Wochen vergangen.
3. seit der Empfängnis sind nicht mehr als Nimmt die Schwangere selbst den Abbruch vor, so dürfen gem. § 218a IV 1 StGB nicht mehr als 22 Wochen vergangen sein.

Sollte die letzte Voraussetzung nicht vorliegen - seit der Empfängnis also bereits mehr als zwölf bzw. 22 Wochen vergangen sein - so ist gem. § 218a II StGB ein Abbruch dennoch nicht rechtswidrig, wenn eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren besteht, die nicht anders abgewendet werden kann.
Ebenso ist gem. § 218a III StGB ein Schwangerschaftsabbruch nicht rechtswidrig, wenn Grund zur Annahme besteht, dass die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung resultiert.

Maßnahmen wie die Pille danach gelten gem. § 218 I 1 StGB nicht als Schwangerschaftsabbruch.
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