Kündigung wegen Berührung am Busen unwirksam

Dezember 2016

Ein Arbeitnehmer berührt eine Reinigungskraft an der Brust. Die beschwert sich über dieses Verhalten, der Mann muss die Firma verlassen. Er klagt dagegen. Und bekam nun recht.
10.02.2015

© dapd Das Bundesarbeitsgericht hat im Fall einer sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz einer Kündigung widersprochen.
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz muss nicht zwangsläufig zur fristlosen Kündigung des Täters führen. Ob unsittliche Annäherungen tatsächlich eine Entlassung nach sich ziehen, hänge immer von den Umständen des Einzelfalls ab, stellte ein Sprecher des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt klar.
Zuvor hatte "Spiegel Online" von einem Fall berichtet, den das oberste deutsche Arbeitsgericht bereits im vergangenen November verhandelte, dessen Entscheidungsgründe aber erst jetzt veröffentlicht wurden. Damals hatte ein Automechaniker aus Nordrhein-Westfalen, der einer Putzfrau an den Busen gegriffen hatte, erfolgreich gegen seine Kündigung geklagt.
Nach den Umständen dieses Streitfalls hätte eine Abmahnung als Reaktion ausgereicht, urteilten die Erfurter Richter in diesem Fall. Der Mann hatte im Juli 2012 im Waschraum zu der Putzfrau gesagt, dass sie einen schönen Busen habe und dann ihre Brust berührt. Als die Frau deutlich machte, dass sie dies nicht wünsche, ließ der Mann sofort von ihr ab.
Im Gespräch mit seinem Arbeitgeber gestand er später den Vorfall ein und erklärte, er habe sich eine Sekunde lang vergessen. Er schäme sich, so etwas werde sich nicht wiederholen - dennoch wurde ihm fristlos gekündigt. Der Mann hatte sich auch bei der Frau entschuldigte und ein Schmerzensgeld gezahlt. Das Bundesarbeitsgericht sah in dem Vorfall zwar zweifelsfrei eine verbale und körperliche sexuelle Belästigung, hielt aber die Kündigung für unverhältnismäßig, denn der Kläger habe nicht notorisch Grenzen überschritten.
Sein Verhalten sei nicht zu vergleichen etwa mit dem eines Produktmanagers eines Möbelhauses, dessen Kündigung das Bundesarbeitsgericht im Juni 2011 bestätigte. Der Mann hatte einer Kollegin einen Schlag auf den Po versetzt, war daraufhin abgemahnt worden und hatte später einer anderen Mitarbeiterin mit Anzüglichkeiten zugesetzt.

Lesen Sie auch :

Das Dokument mit dem Titel " Kündigung wegen Berührung am Busen unwirksam " wird auf CCM Recht & Finanzen (www.recht-finanzen.de) unter den Bedingungen der Creative Commons-Lizenz zur Verfügung gestellt. Unter Berücksichtigung der Lizenzvereinbarungen dürfen Sie das Dokument verwenden, verändern und kopieren, wenn Sie dabei CCM Recht & Finanzen deutich als Urheber kennzeichnen.