Fragen und Anworten zum Onlinebanking-Betrug: das müssen die Bankkunden wissen

Dezember 2016

Bei diesem Beitrag geht es nach einem Magazinartikel, erschienen in SPIEGEL in Bezug zum Onlinebanking-Betrug.Hier werden die wichtisgten Fragen dazu beantwortet.

Kriminelle haben das Onlinebanking per SMS-Tan ausgehebelt und die Konten von Telekom-Kunden geplündert. Wie sicher ist Onlinebanking noch? Wie können Sie sich schützen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

In den vergangenen Wochen hat es eine ganze Serie von Betrugsfällen beim Onlinebanking gegeben. Kriminelle haben in Dutzenden Fällen bis zu fünfstellige Beträge von den Konten von Verbrauchern abgebucht. Dabei gelang es ihnen ausgerechnet, ein System zu knacken, das bisher als relativ sicher galt.Was Sie jetzt beachten müssen, verrät der Schnellcheck.
  • Wie lief der Betrug genau ab?


Die Betrüger gingen schrittweise vor, um das doppelt gesicherte Onlinebanking zu knacken. Dabei loggen sich Kunden für Überweisungen erstens in das Webportal ihrer Bank ein und geben zweitens eine sogenannte mobile Transaktionsnummer (mTan) ein. Diese wird dem Kunden per SMS aufs Handy geschickt.

Die Betrüger hackten sich zunächst mit einer Spähsoftware in die Computer von Kunden ein und ergatterten deren Zugangsdaten zum Onlinebanking. Zudem beschafften sie sich die Handynummern der Kunden.

Dann kontaktierten die Betrüger die Telekom und gaben sich als Mitarbeiter eines Mobilfunk-Shops aus. Im Namen des Kunden meldeten sie den angeblichen Verlust von dessen SIM-Karte und beantragten die Aktivierung einer vermeintlichen Ersatzkarte. Da die Täter über umfassende Informationen verfügten, schöpften die Telekom-Mitarbeiter zunächst keinen Verdacht und aktivierten die Karten.

Die Betrüger konnten sich nun in das Onlinebanking-Portal von Kunden einloggen, die zugehörige mTan auf dem eigenen Handy empfangen - und Geld auf andere Konten überweisen. Mittlerweile hat die Telekom die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und die Betrugsmasche gestoppt.
  • Wie viele Kunden sind betroffen?


Die Zahl der bisher Betroffenen liegt bisher im mittleren zweistelligen Bereich. Laut "Süddeutscher Zeitung" haben die Täter gut eine Million Euro erbeutet. Im Vergleich zur Masse der mTan-Nutzer sind das kleine Werte: Allein bei den Sparkassen gibt es nach Angaben des Sparkassen- und Giroverbands rund sieben Millionen Konten mit mTan-Option.
  • Ich bin betroffen - bekomme ich mein Geld zurück?


In jedem Fall. "Verbraucher müssten nur dann für den Schaden selbst haften, wenn sie grob fahrlässig gehandelt hätten", sagt Annabel Oelmann, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "In diesem Fall aber liegt der Fehler klar bei der Telekom, nicht beim Kunden." Betroffene sollten daher möglichst bald bei ihrer Bank die Erstattung des Verlusts beantragen.
  • Welche Banken sind betroffen?


Nach Angaben der Telekom sind Kunden mehrerer Banken betroffen, namentlich genannt wurde nur die Postbank. Doch grundsätzlich konnte der Trick bei Kunden aller Institute angewendet werden, die Onlinebanking mit dem mTan-Verfahren anbieten. Alle Verbraucher, die mTan verwenden und einen Handyvertrag bei der Telekom haben, sollten also sicherheitshalber ihre Kontoauszüge auf verdächtige Überweisungen checken.
  • Sind auch Kunden anderer Provider betroffen?


Offenbar hatten die Betrüger mit ihrem Vorgehen ausschließlich bei der Telekom Erfolg. "Vodafone-Kunden sind von dieser Betrugsmasche nicht betroffen", teilte der Konzern auf Nachfrage mit. Auch Nutzer von Telefónica-Netzen seien im aktuellen Fall nicht betrogen worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Den Angaben zufolge haben die Provider andere Verfahren zum Bestellen einer Ersatz-SIM-Karte als die Telekom.
  • Ich nutze das Tan-Verfahren - wie kann ich mich schützen?


Sie sollten Ihren Rechner möglichst gut vor Schadsoftware schützen. Dabei helfen Virenscanner, eine aktuelle Firewall-Software und das regelmäßige Installieren von Updates für Programme und das Betriebssystem.

Auch gesundes Misstrauen ist hilfreich: Mithilfe gefälschter E-Mails, nachgebauter Webseiten und sogar mit Briefen und Telefonanrufen versuchen Kriminelle, ihren Opfern sensible Kontoinformationen abzujagen. Solchen Forderungen sollten Sie nicht nachkommen, also nichts anklicken, nichts öffnen und nichts eintippen.

Wie sicher ist Onlinebanking überhaupt?

"Jeder, der diesen Service nutzt, sollte sich bewusst sein, dass er nie hundertprozentig sicher sein wird", sagt Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zwischen Verbrechern und Unternehmen finde ein ewiges Wettrüsten statt: Wenn eine Sicherheitslücke gestopft ist, finden Kriminelle recht bald eine neue.

Selbst das angeblich so sichere Tan-Verfahren ist, wie sich nun schon mehrfach gezeigt hat, angreifbar. Oelmann empfiehlt Verbrauchern deshalb einen Umstieg auf einen sogenannten Tan-Generator. Sprich: auf ein Gerät, das der Kunde selbst zu Hause hat und das dort die Tans erstellt. Handy-Betrug ist damit unmöglich.

Allerdings sollte der Kunde dann seine Bankkarte an einem sicheren Ort aufbewahren. Sonst besteht die Gefahr, dass Betrüger diese mit einem anderen Tan-Generator synchronisieren. Wie gesagt: Absolute Sicherheit gibt es beim Online-Banking nicht.

Bild :Faz

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