Unterschied zwischen Notwehr und Defensivnotstand [Gelöst]

isa456 73 Beiträge Dienstag April 16, 2013Mitglied seit: November 5, 2015 Zuletzt online: - 20. Juli 2015 um 12:22 - Letzte Antwort: isa456 73 Beiträge Dienstag April 16, 2013Mitglied seit: November 5, 2015 Zuletzt online:
- 24. Juli 2015 um 16:36
Tagchen!
Koennte mir jemand den Unterschied zwischen Notwehr§ 32 StGB i.V.m und Defensivnotstand gegen Menschen § 34StGB erklären? Stehe irgendwie auf dem Schlauch?
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Danke
ich sehe das so:
1) der Unterschied zwischen Notstand ( auch I Vm 228 BGB) und Notwehr ist natürlich darin zu sehen, dass letztere einen gegenwärtigen Angriff , ersterer hingegen nur eine Gefahr fordert.
Notstand ist so gesehen günstiger für das Opfer , das sich verteidigen muss.
2) Der Defensivnotstand gegen Menschen §34 StGB iVm§ 228 BGB analog ist meines Wissens erdacht worden, damit man ( beispielsweise in den Haustyrannenfällen) auch den Totschlag des Gefaehreders " wegen Notstandes rechtfertigen kann. Dazu wendet man eben zusätzlich § 228 BGB an damit nicht mehr eine Interessenabwägung gem. 34 StGB vorgenommen werden muss, sondern damit es ausreicht, dass der Schaden zu drohenden Gefahr nicht mehr außer Verhältnis steht. Begründet wird das eben mit dem Gedanken des §228BGB , bei dem die Gefahr aus der Spfäre der durch die Verteidigungshandlung gefährdeten Sache ausgeht.

Danke Offline-Programm 6

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isa456 73 Beiträge Dienstag April 16, 2013Mitglied seit: November 5, 2015 Zuletzt online: - 24. Juli 2015 um 16:36
Besten Dank!
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Perry_M 250 Beiträge Montag März 30, 2015Mitglied seit: Februar 18, 2016 Zuletzt online: - 23. Juli 2015 um 21:24
1
Danke
Man kann kein Menschenleben gegen ein anderes abwägen.

Das hat z.B. der Bundesgerichtshof 2003 entschieden (Urteil vom 25.03.2003, Az. 1 StR 483/02).

Sachverhalt: "Nach den Feststellungen des Landgerichts erschoß die Angeklagte am 21. September 2001 gegen Mittag ihren schlafenden Ehemann M. F. mit dessen Revolver. Dieser hatte sie über viele Jahre hinweg durch zunehmend aggressivere Gewalttätigkeiten und Beleidigungen immer wieder erheblich verletzt und gedemütigt. Als sie die Tat beging, sah sie keinen anderen Ausweg mehr, um sich und auch die beiden gemeinsamen Töchter vor weiteren Tätlichkeiten zu schützen"

Der BGH hat rechtfertigenden Notstand nach § 34 StGB ausgeschlossen: Die Rechtswidrigkeit der Tat der Angeklagten hat das Landgericht im Ergebnis ebenfalls zu Recht bejaht. Notwehr hat es ausgeschlossen, allerdings die Frage eines rechtfertigenden Notstands (§ 34 StGB) nicht erörtert. Dessen Voraussetzungen lagen auf der Grundlage der getroffenen Feststellungen jedoch ersichtlich nicht vor. Die Annahme eines rechtfertigenden Notstands setzt eine Interessenabwägung voraus. Diese muß zum Ergebnis haben, daß das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt (§ 34 Satz 1 StGB). Es liegt auf der Hand, daß die hier in Rede stehenden zu schützenden Rechtsgüter, die körperliche Unversehrtheit der Angeklagten und der gemeinsamen Töchter, das durch die Tat beeinträchtigte Interesse, nämlich das Leben M. F.s als vernichtetes Rechtsgut, nicht überwogen. Das Ergebnis der Abwägung würde selbst dann nicht zugunsten der Angeklagten ausfallen, wenn eine zugespitzte Situation mit akuter Lebensgefahr für einen Familienangehörigen M. F.s unterstellt würde.

Allenfalls könnte entschuldigender Notastand gem. § 35 StGB vorliegen.
isa456 73 Beiträge Dienstag April 16, 2013Mitglied seit: November 5, 2015 Zuletzt online: - 24. Juli 2015 um 16:35
Tausend Dank der Aufklärung!
Antwort von Perry_M kommentieren