Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Dezember 2016



Voraussetzungen für eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall


Wartezeit


Krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit

  • Es reicht nicht aus, dass der Arbeitnehmer lediglich krank oder verletzt ist. Die Krankheit muss zu einer Arbeitsunfähigkeit führen.
  • Sein Gesundheitszustand muss also dergestalt sein, dass es ihm nicht möglich und zumutbar ist, seine geschuldete Arbeitsleistung zu erbringen. Bei einer sitzenden Bürotätigkeit wird man in der Regel davon ausgehen können, dass diese auch mit einem Gipsbein durchgeführt werden kann.
  • Da der Arbeitnehmer seinen Krankheitszustand beweisen muss, ist er dazu verpflichtet, dem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorzulegen (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, "gelber Zettel", Krankschreibung). Dieses ärztliche Attest hat, einen hohen Beweiswert, den der Arbeitgeber nur bei ernsthaften Zweifeln an der Richtigkeit des Attests erschüttern kann.
  • Ernsthafte Zweifel können bestehen, wenn der Arbeitnehmer üblicherweise gegen Ende seines Urlaubs oder stets am Montag krank wird und sich seine Abwesenheit von der Arbeit somit regelmäßig verlängert.
  • Es spielt grundsätzlich keine Rolle, ob der Krankheitsfall in der Freizeit oder während der Arbeitszeit eingetreten ist.

Ohne Verschulden des Arbeitnehmers

  • Hat sich der Arbeitnehmer aber leichtsinnig verhalten oder sich selbst in Gefahr gebracht und dadurch den Krankheitszustand oder Unfall verursacht, kann sein Anspruch auf Lohnfortzahlung in gewissen Fällen ausgeschlossen sein. Problematisch sind hier insbesondere die gefährlich eingestufte Sportarten wie Jumping in den Bergen . Eine grob fahrlässige Selbstgefährdung kann aber auch angenommen werden, wenn der Arbeitnehmer im Auto nicht ein-schnallte .

Krankmeldung - Ärztliches Attest

  • Nach § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG) ist der Arbeitnehmer dazu verpflichtet, seinen Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer unverzüglich, in Kenntnis zu setzen . Diese Mitteilung muss daher in der Regel gleich zu Beginn des ersten Krankheitstages und noch vor der ärztlichen Diagnose erfolgen, und kann auch telefonisch, per Email oder durch Angehörige oder Kollegen vorgenommen werden.
  • Zeitgleich ist der Arbeitnehmer gesetzlich verpflichtet, eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Tage dauert. In der Regel ist im Arbeitsvertrag vorgesehen, dass diese ärztliche Bescheinigung schon früher, oft bereits ab dem ersten Tag der Krankheit, vorgelegt werden muss.
  • Solange der Arbeitnehmer die ärztliche Bescheinigung nicht vorlegt, kann der Arbeitgeber die Zahlung des Arbeitslohns verweigern.

Dauer und Höhe der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall


Entgelttorfzahlungsdauer

  • Gemäß § 3 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG) hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch seinen Arbeitgeber für die Dauer von maximal 6 Wochen. Dauert die Krankheit länger als 6 Wochen, kriegt der Arbeitnehmer seinen Lohn von Krankenkasse ausgezahlt.
  • Bei unterschiedlichen Krankheitsursachen entsteht der 6-wöchige Anspruch jeweils neu.
  • Nur bei einer sogenannten Fortsetzungserkrankung, die dieselbe Ursache hat, fängt der 6-Wochen-Zeitraum nicht jeweils neu an zu laufen. Hier sind die einzelnen Krankheitszeiten zusammenzuzählen.
  • Praxisnahes Beispiel:


*Arbeitnehmer Meier ist auf Grund einer Blinddarmentzündung 3 Wochen zu Hause. Danach arbeitet er wieder für 3 Tage, muss aber schnell feststellen, dass seine Beschwerden bleiben. Er wird daher am Blinddarm operiert und fällt für 4 Wochen aus. In diesem Fall hat Herr Meier nur Anspruch auf insgesamt 6 Wochen Lohnfortzahlung.

Endgeltungshöhe

  • Gemäß § 4 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG) ist dem Arbeitnehmer das Arbeitsentgelt fortzuzahlen, das ihm bei der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit zusteht.
  • In der Regel ist daher der Lohn auszuzahlen, der dem Durchschnittslohn der letzten 12 Monate entspricht. Eine Überstundenvergütung zählt hierbei nicht zum Durchschnittslohn.

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