Konfession bei kirchlichen Arbeitgebern entscheidend

Dezember 2016

Grundsätzlich hat ein Arbeitgeber in einem Vorstellungsgespräch das Recht, sämtliche Informationen zu erfragen, die für eine Beurteilung des künftigen Arbeitnehmers von Bedeutung sind. Gewisse Fragen, die die Privatsphäre des Arbeitnehmers betreffen, sind jedoch unzulässig und berechtigen den Arbeitnehmer dazu, die Unwahrheit zu sagen. So ist normalerweise die Frage nach der Religion verboten. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet eine Benachteiligung von Arbeitnehmern aufgrund ihrer Religion.

Für kirchliche Arbeitgeber gelten in diesem Zusammenhang jedoch Sonderregeln. Gemäß § 9 AGG haben kirchliche Einrichtungen das Recht, auch von ihren Mitarbeitern ein loyales und aufrichtiges Verhalten im Sinne ihres jeweiligen Selbstverständnisses zu verlangen. Die Frage nach der Konfession ist somit prinzipiell erlaubt und wahrheitsgemäß zu beantworten.

An die Konfession des Arbeitnehmers werden dabei je nach Art der Tätigkeit unterschiedliche Anforderungen gestellt:
  • "verkündigungsnahe" Tätigkeit (beispielsweise Priester, Erzieherin im katholischen Kindergarten): Diese Bereiche sind ausschließlich Mitgliedern der eigenen Religionsgemeinschaft vorbehalten. Sie verkörpern die religiösen Werte der jeweiligen kirchlichen Einrichtung, wodurch der Bezug zur kirchlichen Glaubensrichtung hier direkt gegeben ist.
  • "verkündigungsferne" Tätigkeiten (beispielsweise Putzfrau): Mitarbeiter dieser Bereiche verkörpern nach außen nicht die christlichen Werte, da ihre Tätigkeit keinen direkten Bezug zur kirchlichen Glaubensrichtung hat. Eine Ungleichbehandlung von Bewerbern anderer Konfessionen ist damit nicht begründbar.


In diesem Zusammenhang bestätigen verschiedene Gerichtsurteile, dass ein Verstoß gegen die weitreichenden Loyalitätspflichten eine verhaltensbedingte Kündigung des entsprechenden Mitarbeiters rechtfertigt. So darf beispielsweise ein kirchliches Altenheim eine Pflegerin entlassen, wenn diese aus der Kirche austritt oder Ärzte können ihren Job verlieren, wenn sie sich offen für Abtreibungen aussprechen. Sogar eine zweite Heirat kann eine Kündigung rechtfertigen, da eine zweite Ehe nach dem Verständnis der Kirche ungültig ist.

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