Verzinsliche Wertpapiere: Grundlagen zur Verzinsung

Dezember 2016
Dieser Beitrag setzt sich mit dem Thema der Verzinslichen Wertpapiere, sowie mit den Grundlagen zur Verzinsung auseinander.



Was ist ein verzinsliches Wertpapier?

Verzinsliche Wertpapiere, auch Obligationen, Anleihen, Renten oder Bonds genannt, sind die Sammelbezeichnung für alle Schuldverschreibungen mit einem festen oder variablen Zinssatz und einer vereinbarten Laufzeit sowie einer vorgegebenen Tilgungsform.

Sie dienen der Beschaffung von langfristigen Finanzierungsmitteln. Der Käufer einer Schuldverschreibung ist der Gläubiger und besitzt eine Geldforderung gegenüber dem Emittenten der Schuldverschreibung, also gegenüber dem Schuldner. Er gibt dem Emittenten damit eine Art Kredit. Hierfür erhält er eine Verzinsung. Je nach Vereinbarung über die Laufzeit und die Tilgungsform wird dem Käufer durch den Emittenten sein Geld zurückgezahlt.

Die verzinslichen Wertpapiere verbriefen in einer Urkunde die Ansprüche des Käufers. Die Verbriefung kann in Form einer Sammelurkunde oder in Form einer Urkunde mit bestimmten Nennwerten, so genannte effektive Stücke, erfolgen.

Liegt eine Sammelurkunde vor, wird diese bei der so genannten Girosammelverwahrung hinterlegt. Der Käufer erhält eine Gutschrift über das nach Bruchteilen gerechnete Miteigentum an der Sammelurkunde.

In der Regel werden die Einzelurkunden, die so genannten effektiven Stücke, ebenfalls sammelverwahrt. Sie können allerdings auch an den Käufer direkt ausgegeben und von ihm selbst verwahrt werden.

Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die allgemeinen Merkmale des verzinslichen Wertpapiers. Dies sind die so genannten Anleihebedingungen, auch Emissionsbedingungen genannt, die die Rechtsbeziehung zwischen dem Käufer und dem Emittenten regeln.

Laufzeit

Die Laufzeit ist der Zeitraum zwischen dem Beginn der Verzinsung und der Fälligkeit des verzinslichen Wertpapiers. Es wird unterschieden nach kurzfristigen Anleihen mit einer Laufzeit bis zu vier Jahren, mittelfristigen Anleihen mit einer Laufzeit zwischen vier und acht Jahren und langfristigen Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als acht Jahren.

Die Laufzeit stellt ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Geldanlage in dem entsprechenden Wertpapier dar. Es ist hierbei zu beachten, dass in Zeiten niedriger Zinsen, in denen allerdings kurz- oder mittelfristig mit einem Zinsanstieg zu rechnen ist, eine Anlage in langfristigen Schuldverschreibungen nicht sinnvoll erscheint. Denn beim Abschluss in eine langfristige Schuldverschreibung können Sie bei zukünftig steigenden Zinsen von der Zinsentwicklung nicht profitieren, da für Ihre Schuldverschreibung die Verzinsung (langfristig) bereits festgelegt ist.

In Zeiten steigender Zinsen fallen in der Regel die Kurse niedrig verzinster Wertpapiere, so dass ein vorzeitiger Verkauf des niedrig verzinsten Wertpapiers, sofern dies von der Anlageform her möglich ist, zu Verlusten führen würde.

Verzinsung

Der Käufer erhält vom Emittenten auf sein eingesetztes Kapital eine Verzinsung, die fest oder variabel sein kann.

Die so genannten Festzins-Schuldverschreibungen haben während der gesamten Laufzeit eine gleich bleibende feste Verzinsung. In der Regel wird dieser Zins jährlich gezahlt.

Schuldverschreibungen mit einem variablen Zinssatz werden "Floater" genannt. Sie gewähren keinen festen, sondern einen variablen Zinsertrag. Nach jeder vereinbarten Zinsperiode, beispielsweise 3, 6 oder 12 Monate, wird der Zinssatz für die neue Zinsperiode festgelegt. Es gibt vielfältige variabel verzinsliche Anlageformen.

In der Regel orientiert sich der Zinssatz dieser Geldanlagen an einem Geldmarktzinssatz, beispielsweise dem EURIBOR oder dem LIBOR. Diese Zinssätze geben an, zu welchen Konditionen Kreditinstitute der Länder der Europäischen Währungsunion beziehungsweise am Finanzmarkt in London bereit sind, Gelder bei anderen Banken kurzfristig anzulegen. Steigt der Referenzzinssatz, erhält der Käufer der Wertpapiere eine höhere Verzinsung, fällt der Referenzzinssatz, fällt auch die Verzinsung für den Käufer.

Es gibt auch Nullkupon-Anleihen, so genannte Zero-Bonds. Dies sind Anleihen, die nicht verzinst werden. Der Ertrag ergibt sich hier aus der Differenz zwischen dem Rückzahlungskurs und dem Kaufpreis. Der Anleger bekommt demnach nur eine einzige Auszahlung.

Währung

Der Käufer von verzinslichen Wertpapieren kann seine Geldanlage nicht nur in Euro (EUR-Anleihen) vornehmen, sondern auch in jeglicher anderer ausländischer Währung (Fremdwährungsanleihen). Er spekuliert damit möglicherweise auf höhere Zinserträge, trägt allerdings das Währungsrisiko.

Je nachdem ob der ausländische Währungsmarkt Investitionen ausländischer Anleger in seinem Markt benötigt, werden Wertpapiere aufgelegt, die im Vergleich zu Euro-Papieren höher verzinst werden. Damit sollen Anleger für ein Investment in der entsprechenden ausländischen Währung angelockt werden.

Beispielsweise kann es sein, dass Geldanlagen in Wertpapiere in Schweizer Franken eine höhere Verzinsung erzielen als Geldanlagen in Wertpapiere in Euro. Der Käufer, der ein entsprechendes schweizerisches Wertpapier erwerben möchte, muss dies in der Währung des Schweizer Franken tun, also faktisch zunächst Schweizer Franken erwerben, um sodann damit das schweizerische Wertpapier kaufen zu können. Nach Ablauf der Laufzeit des schweizerischen Wertpapiers erfolgt die Rückzahlung ebenfalls in Schweizer Franken. Steigt der Schweizer Franken, erhält der Käufer bei der Rückzahlung des schweizerischen Wertpapiers einen höheren Betrag in Euro zurück, als er beim Erwerb des Wertpapiers eingesetzt hat. Damit hat der Käufer einen zusätzlichen Ertrag, also eine höhere Rendite, erzielt.

Fällt der Schweizer Franken, reduziert sich auch die Rendite des Käufers.


Beispiel

Das Kursverhältnis beim Kauf lautet 1 € zu 1,50 SFR.

Der Käufer möchte ein schweizerisches Wertpapier im Nennwert von 15.000 SFR erwerben. Er muss hierzu 10.000 € einsetzen.

Bei Fälligkeit des Wertpapiers, also bei Ablauf der Laufzeit, beträgt das Kursverhältnis 1 € zu 1,60 SFR.


In diesem Beispiel ist der Wert des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro gefallen, denn nunmehr müssen 1,60 SFR eingesetzt werden, um 1 € zu erhalten. Bei diesem Kursverhältnis bekommt der Käufer des schweizerischen Wertpapiers 9.375 € zurückerstattet. Da sein ursprünglicher Einsatz 10.000 € war, hat er einen Währungsverlust erlitten.


Abwandlung des Beispiels

Das Kursverhältnis bei Fälligkeit des Wertpapiers beträgt 1 € zu 1,40 SFR.

In diesem Beispiel ist der Wert des Schweizer Franken ist gegenüber dem Euro gestiegen. Bei diesem Kursverhältnis bekommt der Käufer des schweizerischen Wertpapiers 10.714,29 € ausbezahlt. Der Käufer hat zusätzlich zu seinem Zinsertrag einen Währungsertrag erzielt und damit seine Rendite der Anlage erhöht.

Tilgung

Die Tilgung von verzinslichen Wertpapieren kann sowohl über festgelegte als auch über ausserplanmässige Rückzahlungen erfolgen.

Die planmäßige Rückzahlung erfolgt in einem vorab festgelegten Rahmen:
  • Bei sogenannten gesamtfälligen Anleihen wird der Rückzahlungszeitpunkt festgelegt und der Nennwert des Wertpapiers in der Regel mit Ablauf der Laufzeit in einer Summe getilgt.
  • Bei sogenannten Annuitäten-Anleihen erfolgt die Tilgung nicht in einer Summe, sondern ratierlich, das bedeutet die Rückzahlung erfolgt nach und nach in mehreren gleich bleibenden Raten.
  • Bei so genannten Auslosungsanleihen wird die Tilgung zu unterschiedlichen Zeitpunkten vorgenommen. Dabei wird vom Emittenten ausgelost, welche Wertpapiere fällig und damit zum nächsten Rückzahlungstermin zurückgezahlt werden.
  • Bei der ausserplanmässigen Rückzahlung wird in den Wertpapierbedingungen festgelegt, dass der Käufer oder der Emittent ein vorzeitiges Kündigungsrecht haben.

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