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Zugewinnausgleich - Berechnung - Zugewinngemeinschaft

März 2015

Hier soll zunächst schrittweise erklärt werden, wie der Zuggewinnausgleich berechnet wird. Am Ende folgt dann noch ein zusammenhängendes einfaches Berechnungsbeispiel.



Wie funktioniert die Berechnung bei Zuggewinngemeinschaft grundsätzlich?

  • § 1378 Absatz 1 BGB bestimmt, wie der Zuggewinnausgleich zu berechnen ist:

"Übersteigt der Zugewinn des einen Ehegatten den Zugewinn des anderen, so steht die Hälfte des Überschusses dem anderen Ehegatten als Ausgleichsforderung zu."

- Praxisnahes Beispiel

- Der Ehemann hat bei der Heirat ein Anfangsvermögen von 5.000 Euro. Während der Ehe gelingt es ihm, durch berufliche Aktivität einiges an Geld auf seinem Sparkonto anzuhäufen. Bei der Beendigung der Ehe beträgt das Endvermögen 45.000 Euro: In diesem Beispielfall beträgt der Zugewinn des Ehemannes 40.000 Euro.

Anfangsvermögen

  • Das Anfangsvermögen darf hingegen auch geringer als Null sein, das heißt es darf negativ sein.

- Praxisnahes Beispiel:
  • Der Ehemann hat bei Eheschließung als einziges Vermögen auf seinem Bankkonto ein Guthaben von 5.000 Euro. Er hat glecihzeitig jedoch noch Schulden an seinen Vermieter in Höhe von 10.000 Euro.Somit beträgt das Anfangsvermögen des Ehemannes in diesem Beispiel :5.000 Euro (Berechnung: 5.000 Euro - 10.000 Euro). Es ist also negativ.
  • Oft ist es schwierig, bei der Beendigung einer Ehe, zumal es sich um eine lange Ehezeit gehandelt hat, noch genau zu ermitteln, wie hoch die jeweiligen Anfangsvermögen der Ehegatten waren.
  • Um zu vermeiden, dass es beispielsweise bei einer Scheidung zu Streitigkeiten über den Wert des damaligen Anfangsvermögens kommt, können beide Ehegatten ein Vermögensverzeichnis über den Bestand des Anfangsvermögens erstellen (§ 1377 Absätze 1 und 2 BGB).
  • Falls ein solches Vermögensverzeichnis nicht erstellt wurde, wird - zugunsten des jeweils anderen Ehegatten - vermutet, dass das Anfangsvermögen des Ehegatten Null war und dass somit der Zugewinn während der Ehe dem Wert seines Endvermögens entspricht (§ 1377 Absatz 3 BGB).
  • Falls also ein Vermögensverzeichnis nicht erstellt wurde und es über das Anfangsvermögen zum Streit kommt, wirkt dies hinzugewinnend. Der Ehegatte also, der es versäumt hat, sein Anfangsvermögen in ein Vermögensverzeichnis aufzunehmen, läuft eher Gefahr, bei der Beendigung der Ehe an den anderen Ehegatten einen Zuggewinnausgleich zahlen zu müssen.
  • Man kann sich folgendes merken: Je größer das Anfangsvermögen eines Ehegatten ist, umso mehr sollte er daran interessiert sein, ein zu Beginn der Ehe ein Vermögensverzeichnis zu erstellen.

Endvermögen



- Praxisnahes Beispiel
  • Der Ehegatte Claus hat bei Beendigung der Zugewinngemeinschaft als eigenes Vermögen lediglich ein Bankkonto mit einem Guthaben von 20.000 Euro darauf. Abgesehen hiervon hat er jedoch noch Schulden in Höhe von 10.000 Euro. Somit beträgt das Endvermögen von Claus 10.000 Euro (Berechnung: 20.000 Euro - 10.000 Euro).
  • Falls in diesem Beispiel die Schulden von Claus 30.000 Euro betrügen anstatt 10.000 Euro, würde das Endvermögen - 10.000 Euro betragen (Berechnung: 20.000 Euro - 30.000 Euro).

Für den Zuggewinnausgleich neutrale Posten

  • Grundsätzlich sind alle Vermögenszuwächse, also Zugewinne, die die Ehegatten im Laufe ihrer Ehe bei der Zuggewinngemeinschaft erzielen, nach dem Ende der Ehe auszugleichen. Grundsätzlich erhöht also jeder Zugewinn während der Ehedauer das Endvermögen des jeweiligen Ehegatten.
  • Einige besondere Vermögenszuwächse hat der Gesetzgeber jedoch hiervon ausgenommen. Grund hierfür ist, dass diese besonderen Vermögenszuwächse im Kern sachlich nichts mit der Ehe zu tun haben und somit ausschließlich demjenigen Ehegatten allein zustehen sollen, der sie erzielt hat. Solche Vermögenszuwächse sollen also am Ende der Ehe nicht ausgeglichen werden.
  • Folgende Vermögenszuwächse sind damit beispielsweise gemeint (§ 1374 Absatz 2 BGB):


- Erbschaft eines Ehegatten während der Zuggewinngemeinschaft (Ehe),

- Schenkungen an einen Ehegatten während der Zuggewinngemeinschaft (Ehe).
  • Diese Beträge werden dem Anfangsvermögen hinzugerechnet, so dass die durch solche Ereignisse eingenommenen Vermögenswerte am Ende der Zugewinngemeinschaft nicht ausgeglichen werden müssen.


- Praxisnahes Beispiel:
  • Claus und Maria sind verheiratet und leben in einer Zugewinngemeinschaft, da sie keinen anderslautenden Ehevertrag geschlossen haben. Das Anfangsvermögen von Claus betrug 1.000 Euro. Während der Ehe mit Maria erbte Claus von seiner verstorbenen Großmutter 20.000 Euro.Das Endvermögen von Claus betrug 70.000 Euro.
  • Grundsätzlich beträgt der Zugewinn von Claus den Unterschiedsbetrag zwischen Anfangsvermögen und Endvermögen, also 69.000 Euro (Berechnung: 70.000 Euro - 1.000 Euro).
  • Die Erbschaft wird jedoch dem Anfangsvermögen gemäß § 1374 Absatz 2 BGB hinzugerechnet, so dass das Anfangsvermögen nun mit 21.000 Euro anzusetzen ist (Berechnung: 1.000 Euro + 20.000 Euro). Somit beträgt der Zugewinn von Claus nur 49.000 Euro (Berechnung: 70.000 Euro - 21.000 Euro).
  • Dies kann unter Umständen zugewinnmindernd und somit nachteilig für Maria wirken. Der Gesetzgeber findet diese Regelung dennoch fair, da die Ehe mit Maria mit der Erbschaft, die Claus gemacht hat, im Grunde nichts zu tun: Claus hätte diese Summe auch ohne die Eheschließung mit Maria selbst geerbt.

Zugewinn-erhöhende Posten

  • Es kommt mitunter auch vor, dass ein Ehegatte sein Endvermögen "verschleudert" oder in sonstiger Weise arglistig vermindert, damit der andere Ehegatte beispielsweise nach einer Scheidung weniger Zugewinnausgleich von ihm erhält.
  • Auch für solche Fälle hat das Gesetz jedoch in § 1375 Absatz 2 BGB vorgesorgt.
  • Folgende Beträge werden dem Endvermögen des Ehegatten hinzugerechnet:


- Geschenke, die der Ehegatte gemacht hat und die nicht einer sittlichen Pflicht entsprachen (Beispiel: der Ehegatte schenkt seiner heimlichen Geliebten eine wertvolle Goldkette),

-Vermögensverschwendungen (Beispiel: Die Ehefrau ist spielsüchtig und verspielt binnen einer Woche 20.000 Euro in einem Spielcasino),

- Vornahme von Handlungen in der Absicht, dem anderen Ehegatten zu schaden.
  • Durch das Hinzurechnen solcher Beträge zum Endvermögen werden sie für den Zugewinn berücksichtigt und sind somit ausgleichspflichtig. Es wird also so getan, als wäre das her-geschenkte oder verschwendete Geld bei Beendigung des Güterstandes noch im Vermögen des Ehegatten.
  • Eine Hinzurechnung findet jedoch nach § 1375 Absatz 3 BGB nicht statt, wenn die Vermögensminderung bereits mindestens 10 Jahre vor der Beendigung des Güterstandes der Zuggewinngemeinschaft eingetreten ist oder wenn der andere Ehegatte mit der unentgeltlichen Zuwendung (= Geschenk) oder mit der Vermögensverschwendung einverstanden war.

Maßgeblicher Zeitpunkt der Ermittlung von Anfangsvermögen und Endvermögen

  • Das Anfangsvermögen wird beim Eintritt des Güterstandes der Zugewinngemeinschaft ermittelt. Dieser Zeitpunkt ist in den meisten Fällen der Zeitpunkt der Eheschließung vor dem Standesamt oder, in der Praxis seltener, der Zeitpunkt des ehevertraglichen Übergangs von der Gütertrennung oder der Gütergemeinschaft in den Güterstand der Zuggewinngemeinschaft.
  • Für das Endvermögen ist der Zeitpunkt der Beendigung des Güterstandes der Zuggewinngemeinschaft maßgeblich.
  • Falls die Beendigung jedoch durch eine Scheidung erfolgt (= in der Praxis sehr häufiger Fall), so kommt es nicht auf den Zeitpunkt des Scheidungsurteils an, was eigentlich logisch wäre, sondern auf den Zeitpunkt, da dem anderen Ehegatten der Scheidungsantrag zugestellt wurde (= Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags).
  • Gerade bei einer Scheidung kann die Wahl des Zeitpunktes der Einreichung der Scheidung, also der gerichtlichen Zustellung des Scheidungsantrags beim Scheidungsgegner, erhebliche finanzielle Konsequenzen haben.


- Weiteres Beispiel:
  • Peter und Clara sind in einer Zuggewinngemeinschaft verheiratet. Peter wurde vor einiger Zeit von seinem Arbeitgeber gekündigt. Auch in der Ehe läuft es derzeit nicht gut und Peter möchte sich von Clara so bald wie möglich scheiden lassen. Aktuell verhandelt Peter mit seinem ex-Arbeitgeber über eine Abfindung, die er erhalten soll, damit er keine Klage gegen ihn vor dem Arbeitsgericht einleitet. Peter rechnet damit, dass er etwa 20.000 Euro von seinem ehemalige Arbeitgeber erhalten wird.
  • In diesem Beispielfall macht es einen Unterschied, ob Peter die 20.000 Euro von seinem ehemalige Arbeitgeber vor oder nach der Zustellung des Scheidungsantrags bei Clara erhält.
  • Für das Endvermögen ist nämlich auf diesen Zustellungstermin abzustellen: Endvermögen ist das Vermögen, das der Ehegatte bei der Zustellung des Scheidungsantrages beim anderen Ehegatten hat.


-Erhält Peter die 20.000 Euro vor der Zustellung des Scheidungsantrages, so zählt das Geld zu seinem Endvermögen hinzu und ist unter Umständen ausgleichspflichtig, so dass er womöglich im Rahmen der Scheidung einen Teil davon an seine Ehefrau abgeben müsste, womöglich sogar die Hälfte.

-Peter wäre also zu empfehlen, zunächst die Scheidung einzureichen, also abzuwarten, bis der Scheidungsantrag seiner Frau Clara zugestellt ist und erst anschließend konkretere Verhandlungen zu seiner Abfindungssumme mit seinem ehemalige Arbeitgeber zu beginnen. Dann könnte ihm der Anspruch auf die 20.000 Euro Abfindung gegen seinen Arbeitgeber womöglich erst nach der Zustellung des Scheidungsantrages entstehen und die Abfindung wäre somit regelmäßig nicht ausgleichspflichtig, Peter könnte die Abfindung vollständig für sich behalten.

Konkretes Berechnungsbeispiel für einen Zuggewinnausgleich

  • Der Ehemann hatte bei der Eheschließung ein Anfangsvermögen von 5.000 Euro. Sein Endvermögen bei der Zustellung des Scheidungsantrages betrug 30.000 Euro. Das Anfangsvermögen der Ehefrau betrug bei der Eheschließung 10.000 Euro, ihr Endvermögen betrug 20.000 Euro.
  • In diesem Beispielfall ist folgendermaßen zu rechnen:


-Der Zugewinn des Ehemannes beträgt 25.000 Euro (Berechnung: 30.000 Euro - 5.000 Euro).

-Der Zugewinn der Ehefrau beträgt 10.000 Euro (Berechnung: 20.000 Euro - 10.000 Euro).
  • Der, der den größeren Zugewinn erwirtschaftet hat, muss an den anderen Ehegatten einen Zugewinnausgleich zahlen. In diesem Fall ist der Zugewinn des Mannes (25.000 Euro) größer als der Zugewinn der Frau (10.000 Euro), so dass der Mann an die Frau einen Zugewinnausgleich zahlen muss.
  • Der Zugewinn des Ehemannes ist um 15.000 Euro (Berechnung: 25.000 Euro - 10.000 Euro) größer als der Zugewinn der Ehefrau= Dies ist der Überschuss des Ehemannes gegenüber der Ehefrau.
  • Von diesem Überschuss muss der Ehemann der Ehefrau, gemäß § 1378 Absatz 1 BGB, die Hälfte zahlen, also 7.500 Euro (Berechnung: 15.000 Euro geteilt durch 2).
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